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FIP (Feline Infektiöse Peritonitis) |
Die Feline Infektiöse Peritonitis (FIP) ist eine virusbedingte Infektionskrankheit, die ausschließlich Katzen (Felidae) befällt.
Der Name leitet sich von der häufigsten klinischen Manifestation, einer
Bauchfellentzündung (Peritonitis) ab. Allerdings kann auch lediglich
das Brustfell betroffen sein, weshalb selten auch der Name Feline
Infektiöse Polyserositis verwendet wird, aber selbst ein Krankheitsbild
gänzlich ohne Beteiligung der Auskleidung der Körperhöhlen (Serosa)
kann auftreten.
Bei einem klinischen Ausbruch der Erkrankung endet
sie praktisch immer tödlich.
Ursache und Epidemiologie
Felines Coronavirus (FCoV)
Systematik
Reich Viren
Baltimore K. ((+)ssRNA-Viren) IV
Ordnung Nidovirales
Familie Coronaviridae
Gattung Coronavirus
Art Felines Coronavirus
Die Ursache für die FIP ist ein hoch virulentes Coronavirus. Das heute
als Felines Coronavirus (FCoV) bezeichnete Virus wurde bis Ende der
1990er Jahre in zwei verschiedene Viren unterteilt: Das wenig
pathogene, sogenannte "Feline Enterale Coronavirus" (FECV) und das
stark pathogene "Feline Infektiöse Peritonitis-Virus" (FIPV). Letzteres
ist aber lediglich eine Mutation des "FECV" innerhalb des Trägertieres.
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Modell eines Coronavirus
Die Mutation besteht aus einer Deletion im viralen Gen 3C, welche
allerdings nicht immer an der selben Stelle stattfindet.
Begünstigt wird
die Veränderung durch das ungenaue Arbeiten der viralen RNA-
Polymerase, durch welche es bei der Replikation zu einem falsch
eingebauten Nukleotid pro 1.000 bis 10.000 Nukleotiden kommt. Bei
einer Gesamtlänge der Virus-RNA von etwa 30.000 Nukleotiden sind
also bereits 3 Mutationen im Erbgut des Virus pro Replikation "normal".
Das FCoV kommt weltweit vor, aber nur bei etwa fünf bis zehn
Prozent
der seropositiven Hauskatzen kommt es zur FIP-Erkankung.
Bezogen auf die gesamte Katzenpopulation hat die FIP eine Inzidenz
von ein bis zwei Prozent. Es werden serologisch zwei Virustypen
unterschieden, wobei der vor allem in Europa und den USA
auftretende Typ 1 in Zellkulturen vermehrbar ist, was der vor allem in Japan
auftretende Typ 2 nicht vermag.
Die Übertragung des zunächst ungefährlichen Viruses erfolgt unter
anderem durch Kontakt mit infiziertem Kot oder über verunreinigte
Gegenstände. Überdies können Menschen das Virus transportieren
und auf die Katze übertragen. Oft infizieren virustragende
Katzenmütter ihre Feten bereits während der Trächtigkeit. Die
Übertragung der bereits mutierten Form spielt vermutlich keine Rolle
bei der Verbreitung der Krankheit.
Prinzipiell sind alle Katzenarten und Altersgruppen für FIP empfänglich.
Am häufigsten befällt die Erkrankung Tiere im Alter von sechs Monaten
bis fünf Jahren. Katzen in größeren Katzenhaltungen sind stärker
gefährdet als einzeln lebende Wohnungskatzen. Bei Großkatzen sind
besonders größere Bestände in Zoos gefährdet, Leoparden gelten als
besonders empfänglich.
Geschichte
Die FIP wurde ab 1954 vermehrt in den USA beobachtet, obwohl
Einzelberichte vermutlicher FIP-Fälle sich bereits ab 1914 finden
lassen. 1963 verfasste Jean Holzworth erstmals eine ausführlichere
Arbeit, 1966 wiesen Wolfe und Griesemer den infektiösen Charakter
der Erkrankung nach und gaben eine detailliertere Beschreibung.
1968 wurde von Zook et al. bei experimentell mit der Krankheit
infizierten Katzen das Virus erstmals elektronenmikroskopisch
nachgewiesen. Die Tatsache, dass es sich bei dem Erreger um ein
Coronavirus handelt,
wurde seit 1970 vermutet, jedoch erst 1976
gelang der Nachweis des Erregers (Osterhaus et al.) und seine
Vermehrung in einer Zellkultur (Pedersen). Ab 1977 wurde der Erreger
zunächst "FIP-Virus" (FIPV) genannt. 1979 wurde der erste
ELISA-Test zum Nachweis von Antikörpern entwickelt. 1981
beschrieben Pedersen et al. erstmals das weit verbreitete Vorkommen
des felinen enteralen Coronavirus (FECV) und zeigten die große
Ähnlichkeit zum FIPV. 1987 stellte Pedersen die Hypothese auf, dass
FECV und FIPV ein gemeinsames Virusspektrum darstellen und sich
lediglich hinsichtlich ihrer Virulenz unterscheiden.
1998 gelang seiner
Arbeitsgruppe (Vennema et al.) der Nachweis, dass das FIPV lediglich
eine Mutation des FECV darstellt. Ab 2000 setzte sich der Begriff
Felines Coronavirus (FCoV) als Erregerbezeichnung durch.
Erste experimentelle Versuche zur Impfstoffentwicklung gehen auf
die frühen 1980er Jahre zurück. Versuche mit verschiedenen
Impfstämmen (heterologes Virus, 1979, 1984,1988; homologes
virulentes Virus, 1983; homologes attenuiertes Virus, 1983; Vaccinia-
Virus-Rekombinanten, 1990, 1992) brachten keine nachweisbare
Schutzwirkung und führten sogar zu Impferkrankungen, welche sich
teilweise im Sinne einer antikörperabhängigen Immunverstärkung
(s. u.) manifestierten. Der erste sichere kommerzielle Impfstoff wurde
1991 von Pfizer hergestellt.
Mit dem Auftreten von SARS und der 2003 gemachten Entdeckung,
dass
es sich beim Erreger um ein Coronavirus handelt, kamen das
FCoV und andere tierische Coronaviren in den Verdacht, für diese
schwere Atemwegserkrankung des Menschen verantwortlich zu sein.
Das FCoV zeigt in der Nukleotidsequenz große Übereinstimmungen
zum SARS-Virus (Stavrinides J, Guttman DS, J Virol. 2004; 78: 76-82).
Diese Vermutungen haben sich jedoch nicht bestätigt.
Pathogenese und Formen
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Prozentuale Verteilung
der klinischen Ausprägung der FIP
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Die Pathogenese der Erkankung ist bislang nicht vollständig
geklärt.
Die Mutation der zunächst harmlosen FCoV-Variante in die
sogenannten FIP-Viren erfolgt im Darm und kann Jahre nach der
Infektion erfolgen. Mit der Mutation erlangt das Virus die Fähigkeit,
sich an Ribosomen von Monozyten und Makrophagen zu binden und
sich in diesen zu vermehren (Replikation).
Man nimmt heute an, dass ob und in welcher Form die Krankheit
letztendlich auftritt, vom Immunstatus des Einzeltieres abhängig ist.
Bei einem Teil der Tiere bricht die Erkrankung trotz erfolgter
Virusmutation auf Grund einer starken zellvermittelten Immunreaktion
nicht aus. Das Immunsystem ist dadurch in der Lage, die infizierten
Blutzellen unter Kontrolle zu halten. Diese Tiere bleiben ohne klinische
Symptome,
scheiden aber als latente Virusträger dieses weiter aus.
Bei einem Teil der Tiere wird auch eine vollständige Viruselimination
vermutet, wodurch sie allerdings für Neuinfektionen wieder
empfänglich sind.
Klinisch manifest wird eine FIP vermutlich erst bei Störungen des
Immunsystems, z. B. durch Stress oder andere Erkrankungen, die zu
einer stärkeren Virusvermehrung im Darm führt. Einen Einfluss auf die
Pathogenese hat die Bildung von Antikörpern, denn diese können das
Virus nicht neutralisieren. Mit vermehrter Antikörperbildung werden
auch vermehrt Makrophagen aktiviert, in denen es damit zu einer
weiteren Virusvermehrung kommt. Das Paradoxon, dass die eigentlich
zur Bekämpfung der Krankheitserreger gebildeten Antikörper zu einer
Verschlimmerung der Krankheit führen (sog. antikörperabhängige
Verstärkung der Virusinfektion,
engl.antibody-dependent enhancement),
wird auch bei Viruskrankheiten des Menschen (z. B. Aids, Dengue-
Fieber) beobachtet.
Feuchte Form
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Punktatflüssigkeit von
einer an der feuchten Form
erkrankten Katze.
Bei einer schwachen zellvermittelten Immunantwort kommt es zu
einer anhaltenden Virämie und zur massiven Bildung von
Immunkomplexen, zur Aktivierung des Komplementsystems und von
Makrophagen. Dies führt zu einer Vaskulitis und
lymphoplasmazellulären Perivaskulitis (durch Lymphozyten und
Plasmazellen gekennzeichnete Entzündung in der Umgebung der
Blutgefäße) der serösen Häute, die zu Nekrosen führt. Makroskopisch
stellen sich diese Entzündungsherde als weißliche Knötchen dar.
Durch die Entzündung kommt es auch zu einem Austritt von Serum
und Proteinen in die Körperhöhlen und zu Fibrinablagerungen auf
inneren Organen. Diese Form ist die häufigste und zeichnet etwa 75
Prozent aller FIP-Erkrankungen aus.
Trockene Form
Bei der trockenen Form dominieren größere Knoten, die vorwiegend
innerhalb der Organe entstehen. Es handelt sich dabei um
verschmolzene Entzündungsherde, die wie bei der trockenen Form
aus einer Vaskulitis/Perivaskulitis entstehen. Sie werden gelegentlich
auch als "granulomatöse" Veränderungen bezeichnet, es handelt sich
aber nicht um eine echte granulomatöse Entzündung. Die
Flüssigkeitsaustritte sind bei dieser Form nicht anzutreffen. Man
nimmt an, dass sich diese Form bei einer weniger stark geschwächten
zellvermittelten Immunantwort entwickelt und sie eine mildere,
protrahierte Verlaufsform darstellt. Sie macht etwa 17 Prozent
der FIP-Fälle aus, allerdings ist hier aufgrund der schweren
Diagnostizierbarkeit (s. u.) mit einer erheblichen Dunkelziffer zu
rechen. Die Grenzen zwischen beiden Hauptformen sind jedoch
fließend, in etwa 8 Prozent der FIP-Fälle treten Mischformen auf.
Symptome
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Röntgenbild der feuchten Form
der FIP mit Flüssigkeitsansammlung
ausschließlich in der Brusthöhle: 1 diffuse
Verschattung infolge Flüssigkeit, 2 Herz
(Grenzen nicht mehr sichtbar), 3
Luftröhre, 4 Lunge (nur noch im hinteren
oberen Teil belüftet); Bauchhöhle
unverändert: 5 Leber, 6 Magen, 7 Darm.
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Fadenziehende
Konsistenz der
Punktatflüssigkeit
Eine klinisch manifeste FIP beginnt mit verminderter Futteraufnahme
(Anorexie), Abmagerung sowie wiederkehrendem,
therapieresistentem Fieber. Die weiteren Symptome sind von der
Form der Ausprägung abhängig, wobei fließende Übergänge zwischen
beiden Formen auftreten können. Die Unterteilung in feuchte und
trockene Form ist strenggenommen eine Beschreibung der
makroskopischen Befunde. Mikroskopisch bilden beide Formen meist
ein identisches Bild aus.
Feuchte Form
Die klassische "feuchte Form" äußert sich in Flüssigkeitsansammlungen
in der Bauchhöhle (Bauchwassersucht, Ascites) und/oder Brusthöhle
(Pleuraerguss). Die Flüssigkeitsansammlungen in der Bauchhöhle
können als Umfangsvermehrung mit Fluktuation meist klinisch
diagnostiziert werden. Flüssigkeitsansammlungen in der Brusthöhle
können zu schwerer Atemnot führen. Eine Punktion liefert eine
gelbliche, fadenziehende, visköse Flüssigkeit. Die Tatsache, dass es
sich hierbei um ein proteinreiches Exsudat handelt, welches in seiner
Erscheinungsform recht typisch ist, ist ein wesentliches diagnostisches
Kriterium.
Trockene Form
Die "trockene Form" äußert sich in knotigen Veränderungen, vor allem
im Bauchraum. Auch das Gehirn, die Augen, die Organe der Brusthöhle
oder lediglich die Haut können betroffen sein. Je nach
Organlokalisation können gelbliche Schleimhäute (Ikterus),
Augenerkrankungen, Anämie oder neurologische Erscheinungen
auftreten.
Diagnose
Ein klinischer Anfangsverdacht ist bei jedem Fieber bei einer jüngeren
Katze (jünger als sechs Jahre), das nicht auf eine Antibiose anspricht,
gegeben.
Feuchte Form
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Positive
Rivalta-
Probe (zur
besseren
Darstellung
blau
eingefärbt).
Bei der feuchten Form sind die Flüssigkeitsansammlungen sowie ein
vermehrter Gehalt an Globulinen im Blut (Hyperglobulinämie) bereits
deutliche Indizien. Bestimmte Veränderungen des Blutbildes (mittlere
bis schwere Anämie, Neutrophilie und Leukopenie) sind weitere
Verdachtsmomente.
Folgende weiterführenden diagnostischen Testmethoden sind möglich:
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1. |
Rivalta-Probe: Sie kann bei der feuchten Form anhand eines
Punktats durchgeführt werden. Dabei wird ein Reagenzglas mit
destilliertem Wasser mit einem Tropfen Eisessig versetzt und
anschließend ein Tropfen des Punktats hinzugegeben. Im
positiven Fall löst sich der Tropfen nicht auf und sinkt nach unten.
Ein negativer Test schließt eine FIP fast mit Sicherheit aus
(Sensitivität 98 Prozent), während ein positiver Test sie zwar
wahrscheinlich macht, nicht aber beweist (Spezifität etwa 80
Prozent). |
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2. |
Antikörpernachweis im Punktat: Der Nachweis von Antikörpern in
den Punktaten bei der feuchten Form mittels Antikörperfärbung
hat eine Sensitivität und Spezifität von etwa 85 %. |
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3. |
Antigennachweis in Makrophagen: Bei der feuchten Form kann
aus dem Zentrifugat des Punktats ein Ausstrich angefertigt und
mit einem Anti-Coronavirus-Konjugat versetzt werden. Die
Sensitivität dieses Nachweisverfahrens liegt nur bei etwa 57
Prozent, dafür ist der Nachweis hochspezifisch. |
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4. |
Albumin-Globulin-Quotient: Die Bestimmung des Quotienten aus
Albumin- und Globulin-Konzentration im Blut kann ebenfalls einen
Hinweis auf die Erkrankung geben. Bei Quotienten kleiner als 1
besteht ein FIP-Verdacht, Werte unter 0,6 gelten als nahezu
diagnostisch. Allerdings gibt es erhebliche Schwankungen
hinsichtlich Sensitivität und Spezifität in Abhängigkeit von der
Größe des Quotienten. Bei einem Quotienten von 0,9 liegt die
Sensitivität bei 89 Prozent, die Spezifität bei 76 Prozent. Liegt der
Wert unter 0,6, beträgt die Sensitivität nur noch 48 Prozent, die
Spezifität hingegen bei 99 Prozent. |
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5. |
Antikörpernachweis im Blut: Ein positiver indirekter
Antikörpernachweis im Blut ist nicht eindeutig. Er sagt nur aus,
dass die Katze mit dem Coronavirus Kontakt hatte, auch wenn es
sich nur um die harmlose Variante handelte. Die Sensitivität liegt
bei 85 Prozent, die Spezifität allerdings nur bei 57 Prozent. Ein
positiver Test mit einem Titer von kleiner als 1:1600 erhöht zwar
die Spezifität auf etwa 98 Prozent, reduziert allerdings die
Sensitivität auf 33 Prozent. |
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6. |
Antigen-Antikörper-Komplex Nachweis im Blut: Der Nachweis von Antigen-Antikörper-Komplexen mittels ELISA hat nur eine
Sensitivität von etwa 50 Prozent, die Spezifität liegt bei 91
Prozent. |
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7. |
FCoV-PCR im Blut: über ein PCR-Verfahren lässt sich eine Virämie
nachweisen. Die Sensitivität liegt hier bei etwa 53 Prozent, die
Spezifität bei 87,5 Prozent.
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Eine Kombination verschiedener Verfahren erhöht die diagnostische
Aussagekraft. Eine Bestimmung der durch Hämolyse freigesetzten
Laktat-Dehydrogenase (ein Enzym, das Laktat in Pyruvat umwandelt)
kann einen weiteren Hinweis auf die Erkrankung geben, ebenso die
die Bestimmung der bei Katzen meist durch FIP verursachten
Erhöhung des Bauchspeicheldrüsenenzyms alpha-Amylase.
Trockene Form
Während für die feuchte Form ein Antigennachweis im Erguss als
beweisend gilt, ist die trockene Form nur schwierig nachzuweisen. Die
Nachweismethoden 4-7 (siehe feuchte Form) sind ebenfalls möglich,
allerdings gilt bislang nur der pathohistologische Nachweis als
aussagekräftig für das Vorhandensein der FIP. Ein Nachweis der
Antikörper in Gewebsproben (Bioptat) von Lunge, Leber, Niere und
Lymphknoten gilt als beweisend, es gibt aber eine Kreuzreaktion mit
der harmlosen FCoV-Variante. Ein PCR-Test zum Virusnachweis in
Geweben ist ebenfalls kommerziell erhältlich.
Problematisch ist, dass es bislang keine eindeutige
molekularbiologische Charakterisierung der beiden Coronavirus-
Varianten gibt, die eine sichere Unterscheidung erlaubt. Von allen
diagnostizierten FIP-Erkrankungen beträgt der Anteil der trockenen
Form lediglich 17 Prozent, was aber zu einem Gutteil wahrscheinlich
durch die schwierige Diagnostizierbarkeit der Krankheit bedingt ist.
Eine sichere Diagnose ist bei der trockenen Form
nur mittels einer
Biopsie und anschließendem immunhistochemischen Nachweis möglich.
Differentialdiagnose
Bei der recht typischen feuchten Form müssen andere Ursachen für
eine Bauchwassersucht und/oder einen Pleuraerguss ausgeschlossen
werden. Hierzu zählen vor allem eine Herzerkrankung, Proteinmangel
im Blut (Hypoproteinämie), Stauungsergüsse durch
Tumorerkrankungen, Blutungen oder eine bakterielle Pleuritis bzw.
Peritonitis; seltener eine Streptotrichose (eitrige bakterielle Pleuritis,
die Flüssigkeit ist hier aber bräunlich-trüb) oder eine Ruptur des
Ductus thoracicus (Chylothorax). Ein Großteil dieser Erkrankungen
kann aufgrund des hierdurch bedingten relativ geringen
Proteingehaltes des Ergusses (Transsudat) recht einfach ausgeschlossen werden.
Bei therapieresistentem Fieber und/oder knotigen Veränderungen
müssen Feline Leukämie, Immundefizienzsyndrom der Katzen,
Panleukopenie, Lymphosarkome, Yersiniose, und die Tyzzersche
Krankheit in Betracht gezogen werden.
Therapie und Prophylaxe
Eine klinisch manifeste FIP führt unweigerlich binnen weniger Wochen
zum Tod, da es noch keine Behandlungsmöglichkeit gibt. Lediglich eine
symptomatische Therapie kombiniert mit einer Immunsuppression ist
möglich. Daneben bestehen Hinweise, dass sich eine zusätzlich zur
immunsuppressiven Therapie durchgeführte Behandlung mit felinem
Interferon vorteilhaft auf die Überlebenszeit auswirken kann.
Die Impfung gegen FIP wird kontrovers diskutiert. Prinzipielles
Problem ist hierbei, dass eine systemisch applizierte Vakzine bei den
verwendeten Stämmen die Gefahr der Entstehung einer FIP durch das
Impfvirus in sich birgt, das Impfvirus mit dem Feldvirus vermengt
werden kann und eine antikörperabhängige Immunverstärkung
auftreten kann. Das Ziel des verfügbaren Impfstoffes ist daher die
Erzeugung einer lokalen Immunantwort auf zellulärer Ebene und auf
Basis von lokalem IgA im Bereich der Eintrittspforte der Viren im
Nasen-Rachenbereich. Daher wird die Vakzine in die Nase eingetropft.
Die lediglich lokale Wirkung der Vakzine ist hierbei dadurch
gewährleistet, dass sich der Impfstamm nur
bei einer Temperatur von
31 °C vermehren kann. Bei bereits FCoV-positiven Tieren (auch durch
die harmlose Variante) versagt das Prinzip der Impfung. Sie ist daher
nur bedingt zu empfehlen. Sinnvoll ist sie bei seronegativen Katzen in
größeren Beständen sowie einzeln in
Wohnungen gehaltenen Tieren,
die durch zufälligen Kontakt mit eingeschlepptem Virusmaterial (z. B.
Kot an den Schuhen der Besitzer) infolge des massiven Virusloads in
ihrer Immunantwort überfordert wären. Die Schutzwirkung des
Impfstoffs (Primucell FIP®) erbrachte in klinischen Studien sehr
unterschiedliche Resultate. Je nach Studie wurde eine Effizienz
zwischen 0 (für keine Schutzwirkung) und 75 Prozent angegeben.
Entgegen einiger Meinungen birgt die Impfung aber auch kein
gesteigertes Risiko einer Erkrankung für die Tiere in sich.
Den Versuch, die Ausbreitung der harmlosen Ausgangsvariante des
Virus zu verhindern, verfolgt das Konzept des Early Weaning(engl.,
frühes Absetzen), das 1992 von Addie & Jarrett vorgestellt wurde.
Hierbei wird die trächtige Mutterkatze zwei Wochen vor der Geburt
von anderen Katzen isoliert und die Geburt und Jungkatzenaufzucht
strikten Hygienebedingungen unterworfen. Mit fünf bis sechs Wochen
werden die Kätzchen von der Mutter abgesetzt und von ihr getrennt,
weil sie nur bis zu diesem Zeitpunkt durch mütterliche Antikörper
geschützt sind und danach von ihr das Virus übertragen bekommen
könnten.
Im Gegensatz zu Erfolgen in Großbritannien, bei denen alle
Jungkatzen anschließend FCoV-seronegativ waren, ließ sich dieses
Resultat in einer deutschen Studie nicht reproduzieren.
Eine praktikablere Strategie besteht in der Verminderung des
Infektionsdruckes innerhalb des Katzenbestandes. Das Prinzip
besteht darin, die potentiell krankmachenden FCoV-Viren lediglich
soweit wie möglich auszudünnen und ist mit einfachen hygienischen
Methoden
bereits durchführbar. Als mögliche Maßnahmen werden
empfohlen:
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Aufstellen möglichst vieler Kotkisten, welche mehrmals täglich
gereinigt werden sollten
wenn möglich Verwendung immer der gleichen Trink- und
Futtergefäße und deren tägliche Reinigung
Haltung der Katzen in Kleingruppen von 3 bis 4 Tieren
Entfernung von starken Virusausscheidern aus der Gruppe
Muttertiere 2 Wochen vor dem Wurf aus der Gruppe entfernen
und separate Aufzucht der Jungtiere.
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Literatur |
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Addie, D. D. & Jarrett, J. O.: A study of naturally occurring feline
coronavirus infections in kittens. Veterinary Record 1992; 130:
133-137.
Binder, C.: Vergleich verschiedener Parameter zur Diagnose der
felinen infektiösen Peritonitis. Dissertation, Universität München
(2001).
Hartmann, K.: Feline infectious peritonitis. Veterinary Clinics of
North America, Small Animal Practice 2005; 35: 39-79
Pedersen, N.C.: Virologic and immunologic aspects of feline
infectious peritonitis virus infection. Advances in Experimental
Medicine and Biology 1987; 218: 529-550.
Vennema, H.; Poland, A.; Foley, J. & Pedersen, N. C.: Feline
infectious peritonitis viruses arise by mutation from endemic feline
enteric coronaviruses. Virology 1998 30; 243:150-157. |
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Quelle:
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Feline Infektiöse Peritonitis aus
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